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Es war einmal ...

Vor nahezu 200 Jahren wurde im Rendena Tal (Val Rendena, Trentino) in Norditalien mit der Geburt von Giovanni Massari der Grundstein für die Fa. Johann Massari in Aschaffenburg gelegt. Wegen der zu dieser Zeit großen Armut in dieser Region bildete sich im Val Rendena der Beruf des Messerschmiedes, da die Menschen in der Wanderschaft ihre einzige Überlebenschance für ihre Familien zuhause sahen.

Die von der damaligen Regierung (Österreich) erstmalig eingeführte Handwerksordnung (Ausbildung, Meisterstand zur Qualitätssicherung etc.) bewirkte eine Zufriedenheit bei der Kundschaft und die Messerschmiede waren gern gesehene Handwerksleute.

Giovanni Massaris ältester Sohn, Marziale Massari, ging ca. 1850 nach Innsbruck, zu seinem dort sesshaften Onkel Modesto in die Messerschmiedelehre. Als Meister zog Marziale von seinem Heimatort Fisto (Spiazzo, Val Rendena) in den Sommermonaten über München bis nach Nürnberg um genug Geld für die Familie zu verdienen, die zuhause die nicht sehr ertragreiche Landwirtschaft berieb.

Um 1900 gründete Marziale mit seinem Bruder die erste elektrisch betriebene Schleiferei in Nürnberg (Bild 1). Schon 1904 eröffneten die Massaris zusätzlich zur Schleiferei ein Stahlwaren Fachgeschäft. Marziale Massaris ältester Sohn Giovanni Massari, der nach seinem Großvater benannt wurde, (geb. 1892) legte ca. 1915 bei der Handwerkskammer Nürnberg seine Gesellen- und später seine Meisterprüfung ab (Bild 2). 1928 zog Giovanni Massari, um seinen jüngeren Brüdern, die bereits das Handwerk ausübten, die Existenz in Nürnberg zu sichern mit Frau Ines und seinen Kindern nach Würzburg weiter. Dort betrieb er für zwei Jahre sein Handwerk zusammen mit seiner Frau, die das Ladengeschäft führte.

Um seine größer werdende Familie weiterhin versorgen zu können folgte er dem Ruf der Kleiderindustrie nach Aschaffenburg. Im Jahre 1931 eröffnete er in der Steingasse 8 in Aschaffenburg seinen Betrieb. Die Werkstatt wurde ins Schaufenster verlegt, so dass sich Jedermann von der Qualität seiner Arbeit überzeugen konnte. Um üble Vorurteile und Gerüchte zu entkräften waren besondere "Marketing"-Maßnahmen (Bild 3+4) nötig. Sein hervorragendes Können gepaart mit dem traditionelle Streben der Massaris nach hoher Qualität, sowie das kaufmännische Geschick von Ines Massari ermöglichten es ihnen sich in kürzester Zeit in Aschaffenburg zu etablieren.

Da der Lieferservice mit dem Fahrrad, bis in die entlegenen Spessartgemeinden (Hausschneidereien) zu Zeitaufwendig wurde stellt Giovanni seinen Bruder Rudolfo, der einen Führerschein besaß, als Fahrer ein. Gleichzeitig wurde ein Motorrad gekauft.

1937 erfolgte der Umzug in die Steingasse 27. Das Angebot der Fa. Massari wurde um Metzgereiartikel, Gewürze- und Darmhandel erweitert. Zu Beginn des 3. Reiches beantragte Giovanni für sich und seine Familie aus Gründen der Integration die deutsche Staatsbürgerschaft. Zusätzlich wurden die italienischen Vornamen ins Deutsche übersetzt. So wurde aus Giovanni Massari die im deutschen Handelsregister eingetragene Firma JOHANN MASSARI. Die schöneren Geschäftsräume in der Sandgasse 11 bewogen Giovanni zu einem erneuten Umzug. Mit 72 Jahren gingen er und seine Frau im Jahre 1964 in den wohlverdienten Ruhestand.

Die älteste Tochter namens Alma Massari übernahm zusammen mit ihrem Ehemann Karl Gayer das Ladengeschäft und nahmen zusätzlich den Verkauf von hochwertigen Zinn- und Kupferartikeln auf. Die jüngeren Brüder von Alma, Norberto (später selbstständig in München) und Gianfranco (später selbstständig in Frankfurt), arbeiteten in der Werkstatt. Im Jahre 1966 ereignete sich für die Familie Massari ein tragischer Unglücksfall. Giovanni und Ines Massari kamen bei einem Erdrutsch in Italien ums Leben.

Claus-Peter Gayer, der älteste Sohn von Karl und Alma, übernahm 1971, nachdem er die Lehre bei seinem Onkel Gianfranco in Frankfurt abgeschlossen hatte, die Leitung der Werkstatt.
Da die vordere Sandgasse zur Fußgängerzone umgebaut wurde, und somit die Kunden nicht mehr jederzeit die Firma Massari anfahren konnten (Kleiderindustie etc.), entschied man 1980 in die Sandgasse 37 umzuziehen.Um dem Geschäft der Eltern näher zu sein, entschloß sich Claus-Peter Gayer, in das Rückgebäude der Sandgasse 27 (Hammerhof) zu ziehen.

1987 begann Oliver Gayer, ältester Sohn von Claus-Peter und Doris Gayer, den Beruf des Messerschmiedes zu erlernen. Nach dreijähriger Ausbildung bei der Firma Trittler in Esslingen (bei Stuttgart) beendete er 1990 als Bundessieger der Messerschmiede seine Lehre.

Danach arbeitete er zusammen mit seinem Vater in der Werkstatt. Karl und Alma Gayer beschlossen 1992 aus Altersgründen das Geschäft an Claus-Peter und Doris Gayer zu übergeben.

Die Spezialisierung des Warenangebotes auf reine Stahlwaren und davon ein hochwertigeres und breiteres Angebot wurde mit Begeisterung von der Kundschaft angenommen. Auch Christian Gayer entschloss sich in diesem Jahr die Tradition der Massaris fortzusetzen und tritt ebenfalls bei der Fa. Trittler in die Lehre.Neue Schleifmaschinen erforderten 1993 eine Vergrößerung der Werkstatt. In der Stadelmannstr. 17 fand man im Rückgebäude geeignete Räumlichkeiten. 1994 bestand Oliver Gayer mit erfolg seine Meisterprüfung als Schneidwerkzeugmechaniker. In darauffolgenden Jahr übernahm die Fa. Massari die alteingesessene Werkzeugschleiferei Etzel, und konnte somit ihr Angebot an Schleifarbeiten vergrößern. Aufgrund der räumlichen Trennung, und der schlechten Andienungsmöglichkeiten, erfolgt 1996 der hoffentlich letzte Umzug in die Medicusstr. 49.

Auch Christian Gayer beendete 1996 seine Ausbildung als Schneidwerkzeugmechaniker. Im Leistungswettbewerb der Handwerksjugend erhielt auch er, wie sein Bruder Oliver, den Titel des Bundessiegers. Im Frühjahr 1999 wurde Oliver Gayer zum Obermeister der Messerschmiede-Innung Nordbayern gewählt. Außerdem wurde er zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für das Schneidwerkzeugmechanikerhandwerk ernannt.

Christian Gayer erhielt für seine hervorragende Meisterprüfung im Nov. 2000 den bayerischen Staatpreis verliehen.

 

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